Found Data Filmmaking

UNIVERSITÄT PADERBORN / Medienwissenschaften

Veranstaltungsdetails / Blockseminar
Found Data Filmmaking
Lehrende: Manu Luksch
Orga-Einheit:
Anzeige im Stundenplan:
Unterrichtssprache: Deutsch
Min. | max. Teilnehmerzahl: 1 | 15

 
Kommentartext:

Ausgehend von der Untersuchung unterschiedlicher Datensätze, ihrer
aesthetischen, rechtlichen und politischen Implikationen als künstlerisches
und narratives Basismaterial, werden konzeptelle Rahmenbedingungen zur
Gestaltung von Filmen erarbeitet.

Der Titel ist in Anlehnung an das Objet Trouvé gewählt – dieses besteht aus
Gegenständen, die ohne Kunstabsicht erzeugt wurden, und vom Kunstschaffenden
neu interpretiert wurden – mittels Neukombinationen von Objekten,
Betitelung, oder räumliche Plazierung (zB Marcel Duchamps Fountain). Seit
Anfang des 20 Jh. beeinflusste dieser kontextuelle Arbeitsansatz weitere
Genres, Beispiele reichen von John Cages Komposition 4’33’’ zu Joseph
Cornell’s Found Footage Filmen.

Angesichts der Omnipräsenz von Daten, die wir durch alltägliche Handlungen
generieren, die elektronischen Fußspuren der Gesellschaft, die den undichten
Stellen der Netzwerke entrinnen, (fahrlässig) vergessen, verloren, oder
entsorgt werden, stellt sich die provokante Frage nach deren Bedingungen als
Filmmaterial.

Wann spricht man vom ‘Auffinden’ von Daten (angesichts ihrer
Multiplizierbarkeit), und wie gehen Daten verloren? Welche rechtlichen
Eigenschaften (Datenschutz, Copyright, Autorenschaft etc) haften an dem
Material, und haben diese Potential für subjektive Interpretation? Sind
Plattformen wie Youtube das Equivalent zum Flohmarkt, ehemals Quelle von
Super 8 Material für Found Footage Filme, oder Archiv? Ist der zufällige
Empfang von ungesicherten Daten (Funknetz, Babyphone etc) legal und ethisch
vertretbar, und wem gehört (Daten)müll eigentlich?

Diese und andere Fragen führen zur Entwicklung von Konzepten, die den
darausfolgeneden Prozess des Filmemachens im weitesten (oder minimalsten)
Sinn ( - Film als bewegtes Bild, oder Licht, wofür nicht einmal eine
Projektionsoberfläche notwendig ist, siehe Anthony McCall, oder sogar etwa
unbewegtes Bild über eine bestimmte Zeitspanne, zB Derek Jarmans Blue, 1993)
vorgeben werden.

TeilnehmerInnen erarbeiten Resultate in Form eines Manifestos oder
Regelwerkes, theoretischer Reflektionen und/oder einer eigenen Filmarbeit.

Mitzubringen: eigener Laptop von Vorteil

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