PADERBORN [G]: Symposium Interventionen
date: 2010-10-27 - 2010-10-31

Der Titel der Tagung - ‚Interventionen’- an der Universität Paderborn bezieht sich auf eine neue Tendenz und transnationale Bewegung an den Grenzen von Kunst und Politik, die sich seit den 90er Jahren in unterschiedlichen ästhetischen und gesellschaftspolitischen Bereichen bemerkbar macht. Eine Bewegung, die sich gleichwohl nicht als Phänomen im Sinne einer künstlerischen oder politischen Gruppenbildung beschreiben lässt. Weit eher scheint sie im Kontext einer globalen Gegenbewegung zum fortschreitenden Neoliberalismus sowie zum etablierten Kunstbetrieb theoretisch zu fassen zu sein. Der ursprünglich (wie der Begriff der ‚Avantgarde’) aus dem militärischen Bereich stammende Begriff der ‚Intervention’, der das Vermitteln und Eingreifen in (krisenhaften) Situationen beschreibt, versammelt vergleichbare und zugleich heterogene und sehr ausdifferenzierte Formen künstlerischen Handelns, die sich auf konkrete soziale und politische Situationen und Problemstellungen beziehen. Diese können auch in Räume und Institutionen der Kunst hineingetragen werden, haben ihren Ort jedoch zunehmend im Alltag, auf der Straße, in der öffentlichen Sphäre, im physischen Raum der Städte und in spezifisch ausdifferenzierten medialen Räumen, insbesondere auch im Netz/Web. Künstlerische Interventionen bewegen sich auf dem Terrain der Anti-Globalisierungsbewegung ebenso wie auf dem Gebiet der Gentechnologie und des Managements multi-nationaler Konzerne, greifen Formen des modernen Nomadentums am Rande der Gesellschaft ebenso auf wie alle gesellschaftlichen Bereiche ergreifende Formen des ‚Branding’ (Naomi Klein 2001)...

abstract / Manu Luksch
Through her artistic research project FACELESS Luksch investigated the legal framework intended to safeguard a conception of privacy in regards to video surveillance and data transfers. Based on those findings, she formulates a critique of the dominant notion of progress defined by commercial parameters, and its undermining effect on both, public and private spheres as pillars of autonomous self determination: moonwalking into the future - the illusion of walking forward while sliding backwards.

In ihrem Projekt FACELESS, überprüfte Luksch mit den Mitteln der Kunst die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Schutz der Privatheit, im Zusammenhang mit Datentransfer und Videoüberwachung. Diese Studie bildet den Ausgangspunkt einer Kritik an einem durch kommerzielle Parameter formulierten Fortschrittgedankens und der damit einhergehenden Auflösung von Privatheit und Öffentlichkeit: Moonwalk als Illusion vorwärtszugehen.